Netzhautablösung | Symptome, Diagnose und Behandlung

Netzhautablösung

Eine Netzhautablösung (Ablatio retinae) ist ein augenärztlicher Notfall, der sehr ernst zu nehmen ist: Wird sie nicht umgehend behandelt, kann die Erblindung des betroffenen Auges die Folge sein. Daher sollte der Patient beim Auftreten entsprechender Symptome sofort den Augenarzt aufsuchen.

Definition

Die Trennung der Netzhaut (Retina) von der Aderhaut im Augeninnern bezeichnet man als eine Netzhautablösung. Dabei kommt es zu einer Ansammlung von Flüssigkeit zwischen den Schichten. Dadurch wölbt sich die Netzhaut blasenartig in den Augapfel hinein. An dieser Stelle unterbleibt die Versorgung der Netzhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen aus der Aderhaut.

Funktionsstörungen sind die Folge – angefangen von Gesichtsfeldausfällen bis hin zur völligen Erblindung. Wird die Erkrankung jedoch frühzeitig behandelt, lässt sich das Sehvermögen des betroffenen Auges in der Regel erhalten.

Slit lamp photograph showing retinal detachment in Von Hippel-Lindau disease EDA08 / Netzhautablösung
Eine Netzhautablösung im Licht einer Spaltlampe

Ursachen und Häufigkeit

Die Netzhautablösung betrifft einen von 10.000 Menschen, das entspricht 0,01%. Neben Kurzsichtigkeit gelten auch vorangegangene Katarakt-Operationen und Diabetes mellitus sowie entzündliche Prozesse beziehungsweise Tumore im Auge als Risikofaktoren.

Rhegmatogene Netzhautablösung

Ist die Netzhautablösung durch das Einreißen der Retina bedingt, spricht man von einer rhegmatogenen oder rissbedingten Netzhautablösung. Sie ist meistens auf das Schrumpfen des Glaskörpers im Alter zurückzuführen. Der aus einer gallertartigen Masse bestehende Glaskörper befindet sich im Inneren des Augapfels. Durch die Schrumpfung „zieht“ der Glaskörper an der Netzhaut, so dass diese einreißen kann. Es entstehen Löcher, wodurch Flüssigkeit aus dem Glaskörper gelangen kann. Diese sickert zwischen Netzhaut und das darunter befindlichen Pigmentepithel, was zur Ablösung der Retina führt.

Risikofaktor für eine rhegmatogene Netzhautablösung ist vor allem das Alter des Patienten. Auch eine stark ausgeprägte Kurzsichtigkeit, frühere Operationen eines Grauen Stars oder Schläge auf das Auge erhöhen das Risiko.

Exsudative Netzhautablösung

Für die – sehr selten diagnostizierte – exsudative Netzhautablösung ist Flüssigkeitseinlagerung verantwortlich. Dabei tritt Flüssigkeit aus den Gefäßen der Aderhaut aus, die sich zwischen Netzhaut und Pigmentepithel anreichert. Ursächlich hierfür sind in der Regel Entzündungen im Auge. Entzündungen treten im Verbund mit schweren allgemeinen Erkrankungen auf – zum Beispiel AIDS. In Ausnahmefällen ist ein Tumor, wie beispielsweise das Aderhautmelanom, verantwortlich.

Traktive Netzhautablösung

Die traktive oder zugbedingte Netzhautablösung tritt dann auf, wenn Gewebe des Glaskörpers und/oder Schichten der Netzhaut vernarben. Dabei verkürzt sich das Areal um die Narbe, wodurch eine Zugwirkung entsteht. In vielen Fällen ist eine durch langjährigen Diabetes ausgelöste diabetische Retinopathie – also eine geschädigte Netzhaut – Auslöser der traktiven Ablösung. Manchmal ist sie jedoch auch späte Folge einer sogenannten Frühgeborenen-Retinopathie.

Die traktive Netzhautablösung lässt sich häufiger bei verwandten Personen beobachten, so dass das Risiko für diese Erkrankung höher ist, wenn diese bereits bei Familienmitgliedern aufgetreten ist.

Eye scheme
Der Aufbau des menschlichen Auges

Symptome einer Netzhautablösung

Lichtblitze, Rußflocken, Gesichtsfeldausfall

Als typische Beschwerden einer Netzhautablösung haben sich neben Lichtblitzen vor allem Punkte und Linien sowie Nebelschwaden herauskristallisiert. Darüber hinaus berichten einige Patienten auch von Rußflocken, sogar Rußregen, also einem scheinbaren Schwarm schwarzer Pünktchen. Andere nehmen einen dunklen Vorhang oder Schatten störend im Gesichtsfeld wahr: In den Arealen der Netzhautablösung am Auge ist Lichtwahrnehmung nicht möglich. Ein Gesichtsfeldausfall ist die Folge, den der Betroffene als Vorhang oder Schleier wahrnimmt.

Wenn Sie die beschriebenen Symptome bemerken, sollten Sie umgehend einen Augenarzt aufsuchen!

Fliegende Mücken

Die sogenannten „Mouches volantes“, die fliegenden Mücken, sind demgegenüber normalerweise harmlos – sie werden durch Glaskörpertrübungen ausgelöst. Nahezu durchsichtige Schlieren, Pünktchen oder eben „Mücken“ sind dafür kennzeichnend – sie treten besonders vor einem hellen Hintergrund oder beim Lesen in Erscheinung.

Vorsicht ist dennoch geboten: Wenn Sie erstmalig „Mouches volantes“ bei sich bemerken oder feststellen, dass diese sich verändern, sollten Sie in jedem Fall prophylaktisch einen Augenarzt aufsuchen – allein schon um einen Netzhautriss und damit die Gefahr einer Netzhautablösung am Auge auszuschließen.

Floaters
„Mückensehen“ der Augen

Diagnose

Ein Augenarzt stellt die Diagnose, indem er den hinteren Bereich des Auges untersucht. Beobachtet er lediglich Risse in der Netzhaut, so können diese mit einem Laserstrahl behandelt werden. Wenn sich die Netzhaut jedoch bereits abgelöst hat, hilft in der Regel nur eine Operation. Netzhautlöcher sind genau wie eine Netzhautablösung am Auge nicht medikamentös behandelbar.

Untersucht werden in der Regel beide Augen, selbst wenn die Symptome nur an einem Auge wahrgenommen werden. Vielfach liegen auch Veränderungen an der Netzhaut des scheinbar gesunden Auges vor. Diese erweisen sich nicht selten als eine Vorstufe zur Netzhautablösung am Auge. Sie können vorbeugend mittels Laser behandelt werden.

Augenspiegelung & Co.

Die eigentliche Untersuchung erfolgt normalerweise auf dem Wege einer Augenspiegelung (Ophthalmoskopie) mit medikamentös erweiterter Pupille. Diese Vorgehensweise wird notwendig, da die im hinteren Bereich des Auges befindliche Netzhaut nicht mit bloßem Auge zu erkennen ist. Zu diesem Zweck bekommt der Patient im Vorfeld Augentropfen mit einem Präparat, das die Erweiterung der Pupille fördert. In diesem Fall sollte der Patient am Untersuchungstag den Augenarzt nicht selbst per Auto aufsuchen: Die starr erweiterten Pupillen führen zu Fahruntüchtigkeit direkt nach der Untersuchung. Unter Zuhilfenahme einer Lichtquelle leuchtet der Augenarzt nun den Augenhintergrund aus, um so eine potentielle Netzhautablösung am Auge sichtbar zu machen.

Nicht selten findet zwecks Diagnose einer Netzhautablösung am Auge auch ein sogenanntes Kontaktglas Anwendung. Dabei handelt es sich um ein lupenähnliches Hilfsmittel, welches der Augenarzt auf den Augapfel setzt. So ist es ihm möglich, eine Netzhautablösung am Auge und unter Umständen auch deren Ursache – beispielsweise einen Riss – in der Netzhaut zu diagnostizieren. Liegt bereits eine Netzhautablösung vor, äußert sich diese oftmals in grauen, aufgeworfenen Falten.

Sollten Blutungen im Glaskörper die Sicht auf die Netzhaut unmöglich machen, wird stattdessen eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt – so lassen sich Veränderungen auf der Netzhaut identifizieren.

Behandlung und Prognose

Laserbehandlung

Eine Netzhautablösung und ein Netzhautriss lassen sich nicht mit Medikamenten behandeln. Bei einem Riss der Netzhaut – also vor dem Beginn einer Netzhautablösung – hilft das Lasern des betreffenden Auges. Mithilfe des Laserstrahls lässt sich an der verletzten Stelle eine Entzündungsreaktion provozieren. In der Folge vernarbt das Gewebe und das Loch in der Netzhaut verklebt. Auf diese Weise lässt sich in vielen Fällen einer Netzhautablösung entgegenwirken.

Augenoperation

Bei einer diagnostizierten Netzhautablösung erweist sich eine Laserbehandlung jedoch als wirkungslos: In einem solchen Fall hilft nur noch die Augenoperation. Die Operationsmethode hängt maßgeblich von der Form der sich Ablösung sowie des Erkrankungsstadiums ab. Im Zentrum steht hierbei die Fixierung der abgelösten Netzhaut sowie die Behebung der auslösenden Faktoren – zum Beispiel Veränderungen am Glaskörper.

Schaumstoffplombe

Handelt es sich um ein einzelnes Loch oder einen Riss, wird der Augapfel an der betreffenden Stelle durch eine von außen auf die Lederhaut aufgenähte Schaumstoffplombe eingedellt.

Gürteloperation

Bei Vorliegen mehrerer Löcher ist eine Gürteloperation angezeigt: Dabei wird ein Band um den kompletten Augapfel gezogen und so verkürzt, bis eine zirkuläre Einschnürung entsteht. Eine Punktion im Flüssigkeitsbereich zwischen Netzhaut und Aderhaut dient der Entfernung von Flüssigkeit. Mittels Plombe (vgl. 6.2.1) oder Band werden die Löcher oder Risse dann abgedichtet.

Operation im Augeninneren

Die beiden angesprochenen Operationsmethoden (vgl. 6.2.1 und 6.2.2) bringen jedoch nicht immer die Lösung: Wenn die Netzhautablösung am Auge schon über einen längeren Zeitraum besteht und bereits Verwachsungen zu erkennen sind, führt kein Weg an einer Operation im Augeninneren – an einer sogenannten Pars-Plana-Vitrektomie – vorbei. Unter Entfernung des Glaskörpers aus dem Auge erfolgt das Ablösen der Verwachsungen beziehungsweise die Eliminierung der Bindegewebsstränge. Der Glaskörper wird ersetzt: Dies kann durch ein Gas genauso wie durch Silikonöl erfolgen. Beide ermöglichen, dass die Netzhaut von innen an die Aderhaut gepresst wird.

Weitere Behandlungsformen

Sind Entzündungen die Ursache für eine Netzhautablösung am Auge, ist eine Behandlung der Grunderkrankung unabdingbar. Sind hingegen Tumore verantwortlich, ist ein spezielles Tumorzentrum für die Behandlung zuständig. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten der Behandlung: Zum einen kann diese auf dem Wege einer operativen Entfernung der Tumoren oder aber einer Bestrahlung geschehen. Letztere kann in Form einer Bestrahlung des kompletten Augapfels oder aber lediglich als lokale Bestrahlung durch Strahlungsträger erfolgen, welche auf dem Auge angebracht werden.

Bei neun von zehn Patienten ist die Augenoperation schon beim ersten Mal von Erfolg gekrönt und die Netzhautablösung kann auf diese Weise geheilt werden. In einigen Fällen jedoch tritt eine erneute Netzhautablösung auf. Ein weiterer Eingriff ist dann unausweichlich.

Die Behandlung der Netzhautablösung stellt hohe Ansprüche an den Operateur. Das sollte den Patienten bewusst sein, und dementsprechend sollte ein Augenzentrum gewählt werden, das neben einer Spezialisierung auf diese Art von Operation bei einer Netzhautablösung am Auge auch über viel Erfahrung verfügt.

Selbst eine erfolgreiche Netzhautoperation kann nicht verhindern, dass in den meisten Fällen eine im Vergleich zu der Zeit vor dem Eintreten der Netzhautablösung am Auge eine reduzierte Sehstärke beziehungsweise ein Gesichtsfeldausfall zurückbleibt.

Prognose

Wie sich eine Netzhautablösung am Auge letztlich weiterentwickelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
Zum einen ist das Ausmaß entscheidend, d. h. wie weit die Ablösung der Netzhaut bereits fortgeschritten ist. Zum anderen ist die Zeit ein ganz wesentlicher Faktor, also die Frage, wie lange die Ablösung bereits vor Beheben durch eine Operation bestand.

Das bedeutet: Verlauf und Prognose bei einer Netzhautablösung sind – sowohl für das Auge als auch für das Sehen – umso besser und aussagekräftiger, je geringer das Areal des betroffenen Netzhautgewebes und je kürzer der Zeitraum der Netzhautablösung sind, sowie je unkomplizierter sich der Ausgangsbefund darstellt.

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Vorbeugung

Symptombedingte Untersuchung

Gehen Sie bei ersten Anzeichen einer Netzhautablösung am Auge sofort zum Augenarzt. Wenn Sie also Lichtblitze oder aber plötzlich in Erscheinung tretende schwarze Punkte bemerken, dann ist der sofortige Augenarztbesuch Pflicht. Liegen gar Gesichtsfeldeinschränkungen vor, dann ist davon auszugehen, dass die Ablösung der Netzhaut schon ihren Anfang genommen hat.

Regelmäßige Untersuchung

Grundsätzlich ist eine regelmäßige Untersuchung Ihres Augenhintergrunds ratsam, wenn bei Ihnen ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung vorliegt. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Sie unter starker Kurzsichtigkeit leiden, bei Ihnen vor nicht allzu langer Zeit ein sogenannter Grauer Star operiert wurde oder Sie schon mal eine Netzhautablösung hatten. Eine Untersuchung des Augenhintergrunds gibt auch Aufschluss über mögliche Entartungen, die zu Schlimmerem führen können.

Das Lasern derartiger Netzhautveränderungen dient der Vorbeugung. Die sich später bildenden Narben an der gelaserten Stelle verschweißen die Netzhaut mit der Aderhaut.

Ausdrücklich sei darauf hingewiesen: Nur solange noch keine Netzhautablösung vorliegt, ist diese vorbeugende Maßnahme überhaupt möglich. Passen Sie also immer gut auf Ihre Augen auf – so behalten Sie auch weiterhin den vollen Durchblick!

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