Fehlsichtigkeiten | Überblick über die verschiedenen Arten

Fehlsichtigkeiten

Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmungen sind weit verbreitete Fehlsichtigkeiten, die Millionen von Menschen betreffen. Der nachfolgende Artikel erläutert, worum es sich bei diesen Erkrankungen handelt und wie die Fehlsichtigkeiten korrigiert werden können.

Refractive errors
Darstellung von Kurz- und Weitsichtigkeit durch verformte Augäpfel

Sehschwäche: Kurzsichtigkeit

Kurzsichtigkeit (Myopie) ist neben Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmung eine der am häufigsten auftretenden Fehlsichtigkeiten. Der Fachbegriff Myopie leitet sich aus dem Griechischen ab: Myops bedeutet so viel wie Blinzelgesicht – und tatsächlich kneifen Menschen, die an Kurzsichtigkeit leiden, diese häufig zusammen. Durch die Kurzsichtigkeit werden Gegenstände in der Ferne nur verschwommen wahrgenommen.

In den meisten Fällen ist die Kurzsichtigkeit durch einen zu langen Augapfel bedingt. Dies kann vererbt sein, kann jedoch auch durch eine zu frühe Geburt ausgelöst werden. Sie entwickelt sich in den meisten Fällen in den ersten drei Lebensjahrzehnten und wird von Fachleuten auch als Achsenmyopie bezeichnet.

Myopie (Kurzsichtigkeit)
Optische Wahrnehmung bei Kurzsichtigkeit

Eine andere Form der Erkrankung ist die Brechungsmyopie – in diesem Fall haben Hornhaut oder Linse eine zu hohe Brechungskraft. Auch bei einem Grauen Star mit stark getrübter Hornhaut ist eine Brechungsmyopie keine Seltenheit.

Umstritten ist, ob die Kurzsichtigkeit der Augen durch äußere Einflüsse wie etwa zu viel oder zu wenig Sonnenlicht, intensive Computerarbeit oder häufiges Lesen bei schlechten Lichtverhältnissen ausgelöst beziehungsweise begünstigt wird.

Nur selten sind beide Augen gleichermaßen stark betroffen; bei den meisten Patienten sieht ein Auge schlechter als das andere. Oft tritt sie in Verbindung mit einer Hornhautverkrümmung auf.

Symptome bei Kurzsichtigkeit

Eindeutiges Symptom ist unscharfes Sehen in der Ferne. Vor allem in der Nacht äußert sich dies zu Beginn verstärkt. Gegenstände in der Nähe können Patienten jedoch ganz normal erkennen.

Diagnose und Behandlung der Kurzsichtigkeit

Ein einfacher Sehtest beim Augenarzt oder Optiker gibt meist eindeutig Aufschluss darüber, ob Kurzsichtigkeit vorliegt. Die Refraktionsmessung ermittelt in der Folge das genaue Maß der Sehschwäche. Diese wird mit negativen Dioptrienwerten, wie z.B. -2, angegeben. Die Behandlungen zielen alle auf die Korrektur des Brechungsfehlers ab, so dass der Brennpunkt der einfallenden Lichtstrahlen nicht mehr vor der Netzhaut, sondern dahinterliegt.

Üblicherweise gleicht man Kurzsichtigkeit mit einer Brille aus. Vor allem jüngere Menschen entscheiden sich jedoch auch immer häufiger dazu, Kontaktlinsen zu tragen oder sich die Augen lasern zu lassen. Letztere Methoden werden hauptsächlich aus kosmetischen Gründen bevorzugt – leider werden die Kosten daher nur in Ausnahmefällen von den Krankenkassen übernommen.

Eine Laseroperation wird in jüngster Zeit immer beliebter, um die Kurzsichtigkeit zu beheben. Wie jede Operation können dabei auch gewisse Komplikationen auftreten, und möglicherweise ist der Patient auch nach der Operation weiterhin auf eine Sehhilfe angewiesen. Eine Laseroperation eignet sich nicht für alle kurzsichtigen Patienten gleichermaßen. Spezielle Untersuchungen sorgen hier aber schnell für Klarheit, ob diese Methode in Frage kommt.

Entscheidet man sich für Kontaktlinsen, sollte man zu harten Linsen greifen. Zwar gewöhnt man sich an diese nur langsam, doch sind sie weitaus verträglicher. Unterschieden werden nicht nur weiche und harte Linsen, sondern auch Tages-, Monats- und Jahreslinsen. Egal, für welche Kontaktlinsenart man sich entscheidet: Hygiene sollte für Kontaktlinsenträger oberste Priorität haben. Eine ganz neue Art der Linse ist übrigens die Nachtlinse, welche nachts die Symptome behebt, so dass man tagsüber ganz ohne Hilfsmittel sehen kann.

Vorbeugung der Kurzsichtigkeit

Vorbeugen kann man der Kurzsichtigkeit kaum, allerdings sollte man seine Augen regelmäßig kontrollieren lassen. Patienten, die an Kurzsichtigkeit leiden, sind besonders anfällig für Schädigungen an der Hornhaut – dies gilt besonders für Kontaktlinsenträger. Diese sollten darauf achten, regelmäßig die Netzhaut kontrollieren zu lassen.

Ein Augentraining kann bei Kurzsichtigkeit keine Abhilfe schaffen oder ihr vorbeugen.

Sehschwäche: Weitsichtigkeit

Bei Weitsichtigkeit (Hyperopie) wird die Achsen- von der Brechungshyperopie unterschieden. Im Gegensatz zur Kurzsichtigkeit sehen Betroffene auf größere Entfernung scharf, erkennen jedoch Gegenstände in der Nähe nur unscharf.

Die Achsenhyperopie ist die am häufigsten auftretende Form der Weitsichtigkeit. Dabei ist das Auge und damit der Abstand zwischen Horn- und Netzhaut zu kurz, während bei der Brechungshyperopie die Brechkraft der Linse für scharfes Sehen nicht ausreicht. Der Brennpunkt der einfallenden Strahlen liegt in beiden Formen hinter der Netzhaut. Ist die Achse nur um einen Millimeter verkürzt, bewirkt dies bereits eine Änderung von +3 Dioptrien. Die Achsenhyperopie ist in den meisten Fällen angeboren.

Weitsichtigkeit kann auch Kinder und Jugendliche betreffen, allerdings können diese die Sehschwäche meist recht gut ausgleichen. Durch die besondere Anstrengung der Augen kann es jedoch zu Nebenwirkungen wie Augen- oder Kopfschmerzen kommen.

Mit zunehmendem Alter stellt sich häufig Weitsichtigkeit ein und tritt entweder allein oder in Kombination mit der Alterssichtigkeit auf. Beinahe alle Personen ab einem Alter von 45 Jahren leiden an Weitsichtigkeit und sind auf eine entsprechende Sehhilfe angewiesen. Sie verschlechtert sich jedoch in der Regel mit zunehmendem Alter nicht. Lediglich die Alterssichtigkeit setzt bei Patienten mit Weitsichtigkeit meist früher ein.

Symptome der Weitsichtigkeit

Die Symptome der Weitsichtigkeit wirken sich bei älteren Menschen meist sehr viel stärker aus als bei Kindern und Jugendlichen. Diese sehen dann Gegenstände in der Nähe nicht mehr scharf, was beispielsweise beim Lesen von Zeitschriften und Büchern auffällt.

Da sich das Auge bei Weitsichtigkeit vermehrt anstrengen muss, resultieren daraus zusätzlich Augen- und Kopfschmerzen sowie eine schnelle Ermüdung der Augen.

Diagnose und Behandlung der Weitsichtigkeit

Um diese Fehlsichtigkeit eindeutig diagnostizieren zu können, muss zunächst die Brechkraft des Auges bestimmt werden. Bei dieser Untersuchung kann man auch sofort bestimmen, welche Dioptrienanzahl der Patient benötigt. Bei der Weitsichtigkeit der Augen ist die Dioptrienzahl stets positiv (z. B. +1,5).

Die Behandlungsmethoden zielen allesamt darauf ab, vorhandene Brechungsfehler zu korrigieren. Sowohl Brille als auch Kontaktlinsen kommen dabei häufig zum Einsatz. Kontaktlinsen führen jedoch häufig zu brennenden oder trockenen Augen und benötigen zudem stets eine sehr gute Pflege. Kontaktlinsen und geeignete Pflegemittel sind allerdings mit nicht unerheblichen Kosten verbunden.

Für Patienten, die sowohl unter Weit- als auch Kurzsichtigkeit leiden, eignet sich eine sogenannte Gleitsichtbrille. Dabei sind die Brillengläser in verschiedene Bereiche eingeteilt, so dass beim Blick durch die untere Hälfte Weitsichtigkeit und durch die obere Hälfte Kurzsichtigkeit korrigiert wird. Früher benötigten Patienten, die unter mehreren Fehlsichtigkeiten litten, für jede Einschränkung die passende Brille – dies gehört nun dank einer Gleitsichtbrille der Vergangenheit an.

Auch die Weitsichtigkeit lässt sich häufig durch eine Laseroperation korrigieren. Allerdings erzielt die Operation bei Weitsichtigkeit oftmals keinen ähnlich großen Erfolg wie bei der Kurzsichtigkeit. Die Risiken und Nebenwirkungen sind dabei jedoch gleichermaßen gering. Hornhautnarben sowie eine Über- oder Unterkorrektur der Weitsichtigkeit sind die häufigsten Operationsrisiken.

Die Operation ist zudem nur für Betroffene mit bis zu vier Dioptrien möglich, bei höherer Dioptrienzahl ist die Implantierung einer künstlichen Linse möglich. Auch dieses Verfahren wird immer beliebter und kann sogar ambulant in Arztpraxen durchgeführt werden.

Die Kosten einer LASIK-Operation betragen etwa 1.000 bis 3.000 Euro pro Auge. Da es sich um einen rein kosmetischen Eingriff handelt, zahlen die Kassen diese OP nur in Ausnahmefällen.

Vorbeugung der Weitsichtigkeit

Eine Vorbeugung ist nicht möglich. Bei weitsichtigen Kindern ist es jedoch wichtig, diese rechtzeitig zu korrigieren, um ein Einwärtsschielen zu verhindern.

Hornhautverkrümmung der Augen

Die Hornhautverkrümmung (Astigmatismus, auch Stabsichtigkeit) ist ähnlich der Kurz- und Weitsichtigkeit eine Sehschwäche, die jedoch weniger häufig auftritt. Sie kann eines oder beide Augen betreffen. Patienten mit Hornhautverkrümmung sehen unter Umständen sowohl in der Nähe als auch in der Ferne unscharf. Der Name „Stabsichtigkeit“ kommt daher, dass bei dieser Sehschwäche ein Punkt als verschwommene Linie beziehungsweise als Stab wahrgenommen wird.

Bei Betroffenen weicht die Krümmung der Hornhaut von ihrer natürlichen Form ab. Eine normale Hornhaut ist gleichmäßig – ähnlich einer Kugel – gewölbt. Die Hornhautverkrümmung führt zu unterschiedlich stark gewölbten Bereichen der Hornhaut, was sich negativ auf die Brechkraft auswirkt.

Unterschieden werden zwischen regulärem und irregulärem Astigmatismus. Meist ist die Hornhautverkrümmung angeboren, allerdings kommen auch Narben nach Verletzungen der Hornhaut als Ursache in Frage.

Hornhautverkrümmung
Gesundes Auge (oben) und Auge mit Hornhautverkrümmung (unten). Durch die abnormale Krümmung wird das Licht verzerrt und nicht korrekt auf den Brennpunkt projiziert. Das Bild erscheint unscharf

Symptome der Hornhautverkrümmung

Eine leichte Hornhautverkrümmung wird unter Umständen gar nicht wahrgenommen.

Zum unscharfen Sehen stellen sich häufig auch Augen- und Kopfschmerzen ein, die durch die besondere Anstrengung der Augen verursacht werden.

Diagnose und Behandlung

Mit dem Ophthalmometer lässt sich die Krümmung und der Krümmungsradius in jeder Ebene genau feststellen. Auch hier zeigt der Dioptrienwert die Schwere der Fehlbildung an.

Genau wie die Weit- und Kurzsichtigkeit lässt sich eine reguläre Hornhautverkrümmung mit Hilfe einer Brille mit Zylindergläsern oder durch formstabile Kontaktlinsen korrigieren. Ist die Hornhaut allerdings schwer beschädigt, kann unter Umständen ein operativ durchgeführter Hornhautersatz notwendig werden. Die Erkrankung kann in vielen Fällen auch durch eine Laseroperation behoben werden – die Erfolgsprognose wird jedoch schwieriger, je stärker die Hornhaut verkrümmt ist.

Haben die maximal und minimal brechenden Ebenen einen mehr als 90° voneinander abweichenden Winkel (irreguläre Hornhautkrümmung), kann die Brille meist nicht helfen. Hier kommen nur spezielle Kontaktlinsen oder eine Hornhautverpflanzung in Frage.

Vorbeugung

Die Hornhautverkrümmung ist eine Erkrankung, welcher man nicht vorbeugen kann. Vor allem Eltern sollten es jedoch nicht versäumen, ihre Kinder möglichst frühzeitig von einem Augenarzt untersuchen zu lassen, um spätere Fehlsichtigkeiten auszuschließen.

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