Brillen für Brillenträger – Der Virtual Reality-Trend

Brillenträger gibt es viele: Laut dem Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen waren 2014 insgesamt 63,5 % aller Bürger in Deutschland ab 16 Jahren auf eine Brille angewiesen (Quelle), das sind über 40 Millionen Menschen.

Wirklich beliebt ist aber eine neue Form von Brille, die sogenannte Virtual Reality-Brille (kurz VR). Belief sich der weltweite Umsatz an VR-Brillen 2016 noch auf 2,5 Milliarden Dollar, wird er für 2017 voraussichtlich auf 6,5 Milliarden ansteigen und sich laut Prognose im Jahr 2020 auf über 21 Milliarden Dollar belaufen (Quelle). Aber was genau macht man mit einer VR-Brille?

Abenteuer und Entspannung in der virtuellen Welt

Diese VR-Brillen versetzen den Träger in einen simulierten, dreidimensionalen Raum, in dem die tatsächliche Umgebung kaum mehr wahrgenommen wird. Naturgemäß interessieren sich vor allem Gamer (Spieler) für diese Technik, da sie ihre Videospiele auf diese Weise viel realistischer erleben können. Doch VR-Brillen sind auch für weitere Zwecke interessant:

  • 3D-Filme anschauen
  • Simulationen für Trainings (man denke etwa an die Fahrschule)
  • Architekturvisualisierungen für das Urlaubsdomizil oder auf dem Wohnungsmarkt
  • realistisch erscheinende 3D-Panoramen von Naturspektakeln oder Sehenswürdigkeiten, z.B. der Gipfel des Mount Everest
  • virtuelle Shopping-Touren
  • Treffen mit Freunden in virtuellen Räumen
  • Chirurgen erproben schwierige Operationen vorab als Simulation

VR-Brillen bringen also viel spannendes Potential mit! In diesem Beitrag möchten wir Ihnen ein wenig über VR-Brillen berichten und dabei vor allem die 63 % der Menschen berücksichtigen, die tagtäglich wegen ihrer Sehschwäche bereits eine Brille als Sehhilfe tragen.

VR-Brille

Wie funktionieren VR-Brillen?

Es gibt zwei Arten von VR-Brillen:

  • Smartphone-Brillen: Dabei wird das eigene Smartphone in die Brille gesetzt und mit diversen verfügbaren Apps und aufgeteiltem Display eine virtuelle Umgebung simuliert
  • Originale VR-Brillen: Dahinter versteckt sich ein leistungsfähiger Computer, der die Umgebung simuliert und das Bild an die Brille überträgt und auf zwei Displays darstellt. Auf diese Weise sind wesentlich aufwändigere und hochwertigere Simulationen möglich als auf dem Smartphone.

Egal welche Version – etwas unhandlich sind beide Arten, da sie aufwändige Technik beinhalten und den Augenbereich komplett umschließen. Im vorderen Bereich der Brille befinden sich etwa fünf bis acht Zentimeter vor den Augen zwei Displays. Die für jedes Auge dargestellten Bilder sind allerdings nicht identisch. Sie unterscheiden sich leicht, damit das Gehirn des Betrachters aus beiden Bildern zusammen einen räumlichen, also dreidimensionalen Eindruck berechnet.

Die beiden Displays nehmen dabei das gesamte Gesichtsfeld ein. So hat der Träger im Gegensatz zum Betrachten eines Computermonitors oder einer Kinoleinwand das Gefühl hat, sich mitten im Geschehen zu befinden. Der räumliche Effekt und das komplette Ausfüllen des Gesichtsfeldes sorgen schließlich dafür, dass VR-Brillen uns das Gefühl vermitteln, eine andere Welt betreten zu haben.

Die Augenlinse ist in der Akkomodation (Scharfstellen bei verschiedenen Entfernungen) zwar sehr leistungsfähig, aber auf kurze Abstände von nur wenigen Zentimetern ist sie nicht ausgelegt. Hier muss also die Technik nachhelfen! Deswegen bricht eine in der VR-Brille verbaute Linse das Bild vor und projiziert es in einem Winkel, den das Auge verarbeiten kann, auf die Netzhaut.

» Erfahren Sie hier mehr über die Funktionsweise von VR-Brillen!

VR-Brille

Möglichkeiten für Brillenträger

Als Träger einer Brille dürfte Ihnen das Prinzip mit der korrigierenden Linse bekannt vorkommen, denn Ihre Brille tut im Grunde nichts anderes. Auch sie verändert den Brechwinkel des am Auge eintreffenden Bildes und passt ihn auf die Anatomie Ihrer Augen an. Daher kann man bei einigen VR-Brillen die verwendete Linse auch gegen Linsen mit passender Sehstärke austauschen bzw. ein weiteres Linsenset einsetzen. Allerdings ist die Korrektur nicht so leistungsfähig wie die Ihrer Brille.

Zuvor sollten Sie jedoch versuchen, die VR-Brille ohne Ihre Sehhilfe zu verwenden. Ist die Sehschwäche nicht allzu sehr ausgeprägt und der Unterschied der Fehlsichtigkeit auf beiden Augen gering, können Sie mit einem an der Brille angebrachten Fokussierrad oder durch die Einstellung des Augenabstands möglicherweise auch ohne Brille alles scharf sehen.

Als Alternative können Sie Ihre Brille auch unter der VR-Brille tragen. Wer als Brillenträger schon mal einen Film mit 3D-Brille gesehen hat, kennt das Problem: Zwei Brillen übereinander hat so seine Tücken. Zwar ist im Gehäuse der VR-Brille grundsätzlich genug Platz, doch durch das eng anliegende Gerät könnte die normale Brille schmerzhaft am Kopf drücken. Es ist auch möglich, dass das Gehäuse durch die Brillenform nicht komplett auf Ihrem Gesicht aufliegen kann und somit Licht in den Dunkelraum eindringt. Das verringert leider den Effekt der simulierten Welt.

Eine sehr wirksame, aber leider manchmal kostspielige Option ist das Tragen von Kontaktlinsen. Diese korrigieren Ihre Sehschwäche und stören weder den Tragekomfort der VR-Brille, noch das Erlebnis der simulierten Umgebung.

Zusammenfassung

VR-Brillen bringen großes Potential für verschiedene Bereiche des Online-Lebens mit und werden sich in Zukunft weiter verbreiten. Für Brillenträger gibt es verschiedene Möglichkeiten, trotz ihrer Sehhilfe ebenfalls in virtuelle Welten eintauchen zu können. Sie sollten vor dem Kauf allerdings ausprobieren, welche Brille am Besten zu Ihnen passt. Lassen Sie sich das Gerät von einem Fachmann vor Ort vorführen und setzen Sie das Gerät unbedingt selbst auf. Nur so können Sie feststellen, ob Ihre Brille eventuell drückt oder ob Sie vielleicht auch ohne Brille unter der Brille zurecht kommen.


von Debora Pape. 30.10.2017