Ortho-K-Augenlinsen verbessern die Sehfähigkeit im Schlaf

Im Schlaf Kurzsichtigkeit korrigieren? Was nach einem Ammenmärchen klingt, ist längst Realität. Ortho-K-Augenlinsen werden nachts getragen und sorgen tagsüber für gute Sicht. Die speziellen Nachtlinsen sind eine Alternative für Menschen, die des Tragens von Brille & Co überdrüssig sind oder vor einer korrigierenden OP zurückscheuen. Bei der Markteinführung Anfang des Millenniums zeigten sich Augenoptiker und Augenärzte noch skeptisch. Inzwischen belegen Studien, dass sich Ortho-K-Augenlinsen in den Nebenwirkungen nicht von herkömmlichen Tageslinsen unterscheiden.

Kurzsichtigkeit nimmt stetig zu – rund die Hälfte aller Bundesbürger ist inzwischen auf eine Sehhilfe angewiesen. Trotzdem sind Ortho-K-Augenlinsen in Deutschland bisher wenig verbreitet. Das mag auch daran liegen, dass gesetzliche Krankenkassen die recht hohen Kosten noch nicht übernehmen. Immerhin fallen jährlich etwa 800 – 900 EUR für Untersuchungen, Linsen und Pflegemittel an.

Auch sind die Nachtlinsen nur für einen eingeschränkten Personenkreis geeignet. Sie machen für kurzsichtige Menschen mit einer Dioptrienzahl von minus zwei bis minus fünf Sinn und helfen Patienten mit Hornhautverkrümmung, deren Zylinderwert nicht über minus 2,5 liegt.

Und wie funktionieren diese Nachtlinsen?

Dicke und Wölbung der Hornhaut entscheiden über unsere Sehfähigkeit. Jede Veränderung der Form verändert auch die Lichtbrechung – und die bestimmt, ob ein scharfes Bild auf der Netzhaut entsteht. Die Hornhaut ist elastisch und durch Druck modellierbar. Ortho-K-Augenlinsen sind in der Mitte am dicksten und werden zum Rand hin dünner. Dadurch üben sie Druck auf die Hornhautmitte aus – die Wölbung flacht sich während des Schlafs ab. Die Folge: Die Sehschärfe verbessert sich. Allerdings nur vorübergehend. Wird die Linse entfernt, nimmt die Hornhaut nach 8 bis 16 Stunden wieder ihre ursprüngliche Form an.

Ortho-K-Linsen helfen im Schlaf

Probleme in der Übergangsphase

Kritisch ist die Umstellungsphase – denn die Hornhaut braucht je nach Grad der Kurzsichtigkeit ein bis zwei Wochen, um sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Erst dann ist die Sehfähigkeit bis in den Abend hinein gewährleistet. Das wirft besonders beim Autofahren Probleme auf. In der Übergangsphase nimmt die Sehschärfe während des Tages kontinuierlich ab. Die Schwierigkeit: Die bisherige Sehhilfe ist in dieser Situation meist nutzlos, da sie mit den aktuellen Werten nicht übereinstimmt.

Wie alle Sehhilfen haben auch Ortho-K-Augenlinsen ihre Schattenseiten. So erzeugen sie bei Dämmerung oder Gegenlicht mitunter milchige Lichthöfe um Lichtquellen (Halos). Auch das Kontrastsehen kann vermindert sein. Kritiker befürchten eine Unterversorgung des Auges mit Sauerstoff, da es nachts zusätzlich geschlossen ist. Allerdings sind Ortho-K-Augenlinsen aus einem Material gefertigt, das äußerst durchlässig für Sauerstoff ist. Eine von amerikanischen und chinesischen Wissenschaftlern durchgeführte Studie zeigt, dass Ortho-K-Augenlinsen nicht weniger und nicht mehr Nebenwirkungen haben als gängige Kontaktlinsen. Entsprechende Erfahrungsberichte sind auch in den sozialen Medien zu finden.

Das sind die Vorteile von Ortho-K-Augenlinsen

  • Verbesserung der Sehfähigkeit im Schlaf
  • keine Sehhilfe am Tag erforderlich
  • Korrektur ist reversibel
  • Nachtlinsen gehen nicht verloren

Natürlich gilt es, Vor- und Nachteile sorgfältig abzuwägen. Doch können Ortho-K-Augenlinsen den Alltag von Kurzsichtigen ungemein erleichtern. Nicht nur Freizeitsportler, sondern auch Menschen mit einem problematischen Arbeitsumfeld für Kontaktlinsen profitieren von den Nachtlinsen. Da kann sich der finanzielle Aufwand durchaus lohnen. Wer mit der Methode nicht zurechtkommt, dem bleiben immer noch Brille oder normale Tageslinsen – vielleicht auch eine operative Korrektur.


von Die Redaktion. 29.01.2018